Aufenthalt in Marhanets

      Aufenthalt in Marhanets

      Das erste Mal seit dem Putsch bin ich wieder mit dem Auto in den Südosten nach Marhanets gefahren.
      Was ich gesehen und erfahren habe ist nicht positiv.
      Früher konnte ich das Auto vor dem Haus auf der Straße stehen lassen. Aber diesmal sagte mir der Stiefsohn am Abend nach der Ankunft, daß das Auto auf einen bewachten Parkplatz muß, vor dem Haus ist es nicht mehr sicher. 5 Griwna pro Nacht und es standen sehr viele Fahrzeuge dort.
      Mein Stiefsohn kam während unseres Aufenthalts von der Nachtschicht im Bergwerk nach Hause, stellte seinen Motorroller vor dem Haus ab und ging auf die andere Straßenseite zum Kiosk, um sich Zigaretten zu kaufen. In der Zeit wurde ihm der Roller geklaut. Der Roller war quasi sein einziger Besitz. Der Junge war total verzweifelt und am Boden zerstört.
      Die Familie und viele anderen Familien haben ihre Datschen aufgegeben. Alles was irgendwie nach Metall aussieht oder sonst einen Wert hat, wird geklaut. Die reifen Früchte und das Gemüse wird in der Nacht geklaut. Die Arbeit lohnt dadurch nicht mehr. Im Frühsommer wurde ein Mann, der scheinbar in seiner Datscha übernachtet hat, um seine Bienenvölker zu schützen, am Morgen nicht mehr gefunden, dafür ein paar Tage später erschlagen im Schilf am Dnjeper.
      Die Einheimischen gegen den Flüchtlingen aus dem Osten die Schuld. Ich sehe noch einen anderen Grund. Die Wohnungspreise für Standardwohnungen differieren zwischen Marhanets und Saporoschja um mehr als 10.000$. Eine Immobilienfirma kauft sich jetzt in Marhanets billige Wohnungen und bietet diese Alkoholkranken und Drogenkranken in Saporoschja im Tausch gegen deren Wohnung + ein paar hundert Dollar zum Tausch an. Die Firma macht damit natürlich den großen Reibach, aber das Geld reicht den Süchtigen natürlich nur kurze Zeit, danach steigt die Beschaffungskriminalität. Aus den Häusern mit dieser angesiedelten Klientel ziehen verständlicherweise die normalen Mieter dann auch aus, da die Häuser total verkommen.
      Die örtliche Firma, die bisher die Fernwärme geliefert hat, ist bankrott und hat ihre Tätigkeit eingestellt und mitgeteilt, daß sie im kommenden Winter keine Wärme liefert. Als Folge rüsten viele, die keine eigenen Gasheizungen besitzen auf Elektrowärme um. Ich denke, das wird im Winter den großen Gau geben, weder die Leitungen noch die Installationen sind dafür ausgelegt, weiterhin bezweifle ich, daß die Versorger die Energiemenge liefern können.
      Auch die städtische Müllabfuhr ist bankrott. Diese Arbeit erledigt jetzt ein privates Unternehmen. Bei höherem Preis aber nur alle zwei Wochen. Da die Anzahl der Mülltonen nicht erhöht wurde, sieht es rund um diese überfüllten Mülltonnen natürlich dementsprechend aus. Die Ratten werden nicht lange auf sich warten lassen.
      Wenn mir dann regimehörige Bekannte meiner Frau sagen, daß Leute die nicht sehen, daß es in der Ukraine aufwärts geht, alle Putin-Freunde sind, kann ich nur lachen. Es gibt sicher einen Punkt, an dem kann es nur noch aufwärts gehen. Aber ich denke, es wird zuerst noch schlechter. Es tut mir leid für die Menschen.
      Nur so lange ist uns der Friede sicher, solange wir des Sieges sicher sein können!
      Drei Dinge sind uns aus dem Paradies geblieben,
      - die Sterne der Nacht, - die Blumen des Tages - und die Augen der Kinder
      Wieder schlechte Nachrichten aus Marhanets. In einem Restaurant auf der Verbindungsstraße zwischen Marhanets und Chervonohryhorivka auf dem Deich des Kachowka-Stausees wurden der Besitzer und seine Familie insgesamt 4 Personen erschossen. Täter unbekannt. Man vermutet, daß es ich um Schutzgelderpressung handelte.
      Die Situation allgemein in der Ukraine stellt sich für meine Frau so dar, daß sie auf keinen Fall mehr mit dem Auto in die Ukraine fahren will bzw. maximal bis Lwow. Es sind nach ihrer Meinug zu viele Waffen in die Hände von Banditen gelangt.
      Nur so lange ist uns der Friede sicher, solange wir des Sieges sicher sein können!
      Drei Dinge sind uns aus dem Paradies geblieben,
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      chopper33 schrieb:


      Mein Stiefsohn kam während unseres Aufenthalts von der Nachtschicht im Bergwerk nach Hause, stellte seinen Motorroller vor dem Haus ab und ging auf die andere Straßenseite zum Kiosk, um sich Zigaretten zu kaufen. In der Zeit wurde ihm der Roller geklaut.

      Ja, es wird in der Tat immer schlimmer mit der Kriminalität in der Ukraine.
      Bei meinem letzten Besuch haben sie mir schon in Polen das Geld aus der Tasche geklaut.

      NORAD

      chopper33 schrieb:

      Wieder schlechte Nachrichten aus Marhanets. In einem Restaurant auf der Verbindungsstraße zwischen Marhanets und Chervonohryhorivka auf dem Deich des Kachowka-Stausees wurden der Besitzer und seine Familie insgesamt 4 Personen erschossen. Täter unbekannt. Man vermutet, daß es ich um Schutzgelderpressung handelte.
      Die Situation allgemein in der Ukraine stellt sich für meine Frau so dar, daß sie auf keinen Fall mehr mit dem Auto in die Ukraine fahren will bzw. maximal bis Lwow. Es sind nach ihrer Meinug zu viele Waffen in die Hände von Banditen gelangt.

      Meine Frau meinte auch dass es auf der M06 (Lwiw-Kiew) zwischen Rivne und Zhytomyr zu gefährlich geworden ist, weil die Banditen dort inzwischen ihre 9mm-Makarow-Pistolen gegen AK74 aus der "ato" getauscht haben (und keinerlei Hemmungen haben so ein 35-Schuss Magazin auch mal kurz zu leeren), und wollte mich gar nicht alleine fahren lassen. Nachdem ich die Strecke jetzt aber schon 4 Mal nachts (und 2 Mal tagsüber) gefahren bin und nix passiert ist, sagt sie inzwischen nix mehr.
      Ich habe sicher viele feinde hier im forum-ukraine, aber der dümmste von allen ist zweifellos XXX .

      chopper33 schrieb:

      Es sind nach ihrer Meinug zu viele Waffen in die Hände von Banditen gelangt.


      Es sind zigtausende Waffen in überwiegend falsche Hände gelangt und außerdem denke ich das man bei der UA Armee auch für kleines Geld so ziemlich alles kaufen kann wonach einem der Sinn steht. Bei der "ATO" kommt es auf eine Verlustmeldung mehr nun wirklich nicht an.

      Gruß

      Martini-der aus Prinzip nicht in ein Land reist das Krieg gegen seine eigene Bevölkerung führt.