Ein paar Fragen bezühlich meiner Reise in die Ukraine

      In UA kenne ich niemanden, der keine Fenster im Haus hat (auch nicht die aller Ärmsten). Im Winter wird es recht kalt. Bei -30° (oder auch weniger) ohne Fenster erfriert man. Sorry, aber ein bewohntes Haus im Winter ohne Fenster ist ein Märchen.

      In den Dörfern ist ein "Haus mit Herz" in UA der Standard. Hier mal ein paar Bilder für Dich:
      picasaweb.google.com/elina12000/SumskaOblastUkraina

      Die Fahrt mit einem alten Auto kostet auch viel Geld. Eine Tankfüllung kostet so viel, wie ein Ukrainer im Durchschnitt in einer Woche verdient. Ich habe einige Bekannte in UA, die aus diesem Grund kein Auto haben. Insbesondere weil der öffentliche Nahverkehr gut ausgebaut und vergleichsweise billig ist. Autofahren ist Luxus.
      Beispiel: Eine Fahrt von Kiew auf die Krim kostet mit dem Auto ca. 100 Euro nur für Benzin. Die günstigste Zugfahrkarte schon ab ca. 6 Euro, Standardklasse ca. 11 Euro, Luxus (das ist wirklich Luxus mit Leder und Klimaanlage) ca. 50-60 Euro. Wirklich arme Leute benutzen daher kein Auto!

      Ich bleibe dabei: Das passt nicht zusammen.

      Gruß
      Siggi
      Beamtenanwärterin schon bzw in der Ausbildung zum Beamten befindlich, Mittlerer Dienst. Zum gehobenen Dienst ist der Abschluss der Fachhochschule erforderlich, 12 Schuljahre plus 6 Semester Studium, dann wäre sie 21 Jahre alt!
      Gruß Oldtrotter

      Sunlight schrieb:

      ist w. so arm, wie ich niemanden kenne. Er hat keine Fenster im Haus und hatte vor 2 Jahren noch ein Plumpsklo...usw usw. seine Mutter ist schwer krank und sie können die Arztrechnungen nicht zahlen. Also sag du mir mal bitte, wo W. Geld haben soll

      Ganz einfach und für UA typisch.
      Vorhandenes Auto verkaufen und mit dem Geld der eigenen Mutter helfen. :thumbup:
      mfg
      badossi
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      Wer keine Angst vorm Teufel hat, braucht auch keinen Gott.
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      Keine Fenster? Ich würde eher sagen keine Kunststofffenster mit Dreifachverglasung, stattdessen alte selbstgebaute Holzfenster, die man jedes Jahr streichen muss. Das klingt glaubwürdiger und ist oft in der Ukraine anzutreffen. Ein neues Fenster kostet um die 200 Euro, also Monatsgehalt für viele Ukrainer. Wenn man das alte Holzfenster richtig pflegt, kann auch das sehr gut die Wärme halten.

      Einen Rotweiler zu halten ist übrigens auch nicht gerade günstig. Die meisten Menschen im Dorf haben einen oder mehrere kleinere Mischlingshunde, weil die alles (und vor allem nicht so viel) fressen und gegen Krankheiten nicht so anfällig sind. Ein halbwegs vernünftiger Rotweilerwelpen kostet ab 300 USD (also praktisch wie ein Kunststofffenster) und dann kommen noch Vitamine, Fleisch, Tierarztbesuche, vernünftige Nahrung und was weiss ich noch alles dazu.

      Wenn man in der Ukraine kein Geld hat, kann man Kleidung in den Second Hand Shops kaufen, gibts in allen Städten und an jedem Markt, also auch in Dörfern. Eine Hose oder ein T-Shirt kostet unter einem Euro, wie ich gehört habe, gibts dort auch Markenklamotten, teilweise auch neu mit Etikett. Bist du dir wirklich sicher, dass du Kleidung mitschleppen musst? :)

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      Also erstmal bin ich 20 und Beamtin auf Probe. Ich bin bis zu meinem 16 Lebensjahr auf die Realschule gegangen. Habe dann mein Fachabi und im Anschluss, mit 18, die Ausbildung zur Beamtenanwärterin gemacht. Diese dauert 2 Jahre. Bin nun seit Juni fertig und jetzt Beamtin auf Probe.. Damit ihr auch alle Bescheid wisst.



      W. ist arm, er verdient nicht viel Geld. das Auto hat er von einem Betreuer der Kinderhilfe bekommen. Nen Führerschein hat er nicht, aber er fährt trotzdem. Vor 12 Jahren, als ich das letzte mal da war, hatte er keine fenster. Sie hatten nur Folien über die Fensteröffnungen gespannt. Ob sie nun Fenster haben, weiß ich nicht. Bis vor ca. 3 Jahren hatten sie auch keine Toilette, nur ein Plumpsklo im Garten. In ihrem Haus ist überall Schimmel, die Tapete kommt von der Decke. Ja W. hat nen Rottweiler, der gehört seiner verstorbenen Oma. Er bekommt kein Fleisch, nur Trockenfutter, weil Fleisch zu teuer ist.



      Also wer mir erzählen will, dass W. nicht arm ist, oder ich einen an der Waffel habe, der kann sie nicht mehr alle haben. W. ist definitiv arm und ich bin definitiv nicht blöd.
      Ich habe ja nicht behauptet, dass W. reich wäre aber trotzdem passt hier vieles nicht zusammen. Heutzutage werden Holzfenster samt Glasscheiben einfach vor den Mülltonnen aufgestellt, weil viele jetzt neue aus Kunststoff kaufen. Einfach mal den nächsten Verkäufer für die Kunststofffenster aufsuchen und er wird schon sagen, wo heute ein Fenster entsorgt wird. Oder mal in die Zeitung schauen, kostet 2 bis 4 Hrivna, also weit unter 50 Cent. So viel wird er doch haben, oder? Wer Plastikfolie übers Fenster spannt, braucht sich über Feuchte und Schimmel nicht zu wundern, das müsste jedem klar sein.

      Auto ohne Führerschein zu fahren ist übrigens auch in der Ukraine nicht erlaubt. Was macht er denn bei einer Verkehrskontrolle? Normalerweise wird das Fahrzeug in diesem Fall bis auf weiteres beschlagnahmt und man darf weiter zu Fuß gehen, es sei denn man hat ein paar Hunderter dabei, die man loswerden möchte, ist aber nicht der Fall, oder? Betreuer von der Kinderhilfe findet es also auch in Ordnung, dass ein Jugendlicher, den er offensichtlich betreut, ohne Führerschein fährt? Ist er sich im Klaren, dass er W. damit zum verstoßen anleitet und sich damit strafbar macht?

      Plumpsklo im Garten ist gar keine Seltenheit, viele Menschen in Dörfern haben auch heute nichts besseres. Und wer sich 2008 eine neue Toilette leisten konnte, dem kann es auch nicht so schlecht gehen, denn viele Ukrainer waren richtig in Not, nachdem USD von 5 UAH bis 10 aufgestiegen ist. Ich war vor Ort und habe die Panik gesehen.

      Wieso verdient er überhaupt nicht viel? Er wohnt doch fast in Kiew, viele Menschen fahren quer durchs Land um dort Arbeit zu finden. Wer nicht faul ist und etwas kann, braucht nicht mal Ausbildung um einen Job in der Ukraine zu finden.

      Wie auch immer, irgendwie kommt es mir komisch vor und ich würds mir an deiner Stelle nochmals gut überlegen, dort hinzufahren.
      Hallo zusammen,

      Habe das ganze zusammmen mit meiner ukrainischen Frau verfolgt und kann allen nur zustimmen, denen diese Aktion spanisch vorkommt.

      Ich habe während meiner etlichen Ukrainereisen in den Dörfern nur bei den Leuten nicht das berühmte Häuschen im Garten gesehen, die richtig (auch für deutsche Verhältnisse) Geld haben. Ein Plumpsklo am Haus zu haben ist also nicht abwertend, sondern für ukrainische Verhältnisse zumindest auf den Dörfern Standard. Für fließendes Wasser gilt ähnliches. Der Ziehbrunnen mit Eimer ist Standard. Folien vor den Fenstern kann ich beim ukrainischen Improvisationstalent nicht glauben. Alle Häuser, auch die ärmlichsten, die ich gesehen habe, haben doppelte Holzfenster (Einfachverglaste Fenster, aber zwei hintereinander). Anders würde man die Häuser im Winter bei -20 Grad und mehr gar nicht warm kriegen. Meine Frau meint, das man in den Dörfern auch praktisch ohne Geld leben kann, wenn man arbeiten kann und will. Meine Schwiegermutter verkauft die Eier Ihrer Hühner und das Gemüse das sie anbaut und kommt dann mit ihrer kleinen Rente klar. Ich habe gesehen, wem es auf den Dörfern wirklich schlecht geht: Das sind die, die wegen Alter oder Krankheit nicht mehr arbeiten können oder Alkoholiker. Ich will damit niemandem etwas unterstellen, aber das habe ich gesehen.

      Wenn Du unbedingt reisen willst, dann tu es, aber nimm Deinen Freund mit. Du wirst in eine für Dich fremde Welt kommen und unvergessliche Erfahrungen sammeln. Die Leute sind sehr gastfreundlich. Sehr hilfreich ist es übrigens, wenn man die kyrillischen Buchstaben lesen kann. Auch wenn man nicht ukrainisch oder russisch versteht kann man dann die Strassenschilder, die Schilder an den Bussen und die Reklame an den Geschäften lesen. Viele Worte in russisch sind ähnlich mit Deutsch z.B. Poschtamt für Post oder Apteka für Apotheke, Avtobus für Bus oder Supermarket für Supermarkt. Das hilft aber nur wenn mans lesen kann.

      Übrigens: Dymerka hat eine Direktverbindung per Bahn nach Kiev.

      Gruß KWB

      Aprento schrieb:

      Wie auch immer, irgendwie kommt es mir komisch vor und ich würds mir an deiner Stelle nochmals gut überlegen, dort hinzufahren.
      Hallo Sunlight,

      diesen Rat möchte ich Dir auch dringlich geben, zumindest solltes Du nicht ohne Begleitung reisen. Vielleicht sehen wir ja auch Gespenster, aber offensichtlich hatten einige hier im Forum unabhängig voneinander die gleichen Gedankengänge. Könnte ja sein, dass da wirklich irgendwas nicht richtig läuft und da Du selbst bisher nicht viele Erfahrungen vor Ort sammeln konntest, ist eine gesunde Vorsicht auf jeden Fall anzuraten.

      Wenn sich diese Vorsicht im Nachinein als unbegründet herausstellen sollte, umso besser. Also nix für ungut und einen guten Rutsch ins Neue Jahr!

      Reinhard
      =!..
      Alsoooo nochmal ganz von vorne...



      W:, den Mann, den ich besuchen fahre, kommt seit seinem 7 Lebensjahr zu uns, in der letzten Zeit konnte er dies leider nicht mehr machen, da er Geld verdienen musste, für sich und seine kranke Mama. Damals, als er noch Schüler war, haben sie Blumen im Garten angeplanzt und diese auf dem Markt verkauft. Heutzutage macht es nurnoch seine kranke Mutter (verkaufen) und er arbeitet bei sich im Garten und als "Zahntechniker" in einer Abrissbude.

      Als wir vor das letzte Mal da waren, Ende der 90er, da hatte Dymerka keine Straßen, nur Lehmwege... sein Haus hatte keine Fenster!!! Er hatte Folien über die Fensteröffnungen gespannt und ein Plumpsklo im Garten. Eine Dusche gab es nicht. Sein Zimmer und auch die anderen Zimmer sind total verschimmelt gewesen, sodass meine Mutter nicht dort schlafen konnte, weil sie das nicht ausgehalten hätte.

      2009 war mein Dad und mein Onkel bei W. Sie haben Fotos gemacht und erzählt, dass W. das Haus wohl am rennovieren ist. Er hätte jetzt ein Auto, welches er vom Leiter der ehemaligen Tschernobylorganisation bekommen hat (sie sind sehr eng befreundet, fast wie familie) und das W. das Auto fährt, obwohl er keinen Führerschein hat, weil die auf dem Land eh nicht kontrollieren... W. hat wohl eine Hälfte des Hauses renovieren können... (entspricht trotzdem nicht dem westlichen Standart). Deswegen hat er jetzt eine Dusche und eine Toilette, welche sehr schleppend läuft und mit Regenwasser reinigt. Schimmel ist trotzdem noch ein großes Thema, da sein Zimmer immernoch voll Schimmel ist und die Tapeten von der Wand kommen. W. und seine Mutter sind krank. Dies kommt durch den Reaktor Unfall. W. hat ein großes Problem mit seiner Bauchspeicheldrüse.

      Also ich verstehe nicht, wie ihr alle sagen könnt, dass das nicht stimmt, was ich euch erzähle. Schließlich war mein Dad da und ich damals auch. Und es ist so, wie ich es sage... Achja, jetzt hat Dymerka Straßen... :)
      Wir kommen so nicht weiter. Wir wissen nicht, ob die Ausführungen stimmen. Wir kennen die konkrete Situation nicht und sind keine Detektive oder Hellseher. Die Schilderungen in dieser Form kommen einigen (auch mir) ungewöhnlich vor, weil es unseren persönlichen Erfahrungen widerspricht (z.B. bin ich schon mehrfach in ländlichen Regionen und im Dorf von der Polizei kontrolliert worden, erst recht würde ich mit einer alten Kiste nicht zum Flughafen fahren, wenn ich keinen Führerschein hätte, denn die Polizei kontrolliert die älteren Autos gern). Uns liegt es fern, jemanden der Lüge zu bezichtigen, sondern wir wollen Dir nur zur Vorsicht raten, mehr nicht. Unsere Erfahrungen und Einwände hast Du gelesen. Entscheiden musst Du selbst. Du kannst unsere Beiträge auch als übervorsichtig einstufen und alle Hinweise ignorieren.

      Gruß
      Siggi
      @Sunlight, jetzt mal unter Mädels!

      Grundsätzlich sind die UA-Erfahrungen berechtigt und überdenkenswert. Eigentlich wolltest Du ja ein bisschen vortasten, wie Du Dich richtig in UA verhalten und auftreten sollst.
      Ich selbst bin reinrassige Ukrainerin und auch charakterlich (beide Eltern) war heuer im August das erste Mal bei meinen Verwandten in Lviv, Broschniv und Umgebung. Es war einfach sensationell. Mein Cousin (Ukrainer) hat mich vom Bus abgeholt und mein Gepäck auf mein Zimmer getragen!!! Ich lebe in Österreich, ist mir hier noch nie passiert.
      Völlig falsch eingeschätzt habe ich die Landbevölkerung, mein Onkel 74 Jahre war Dipl.Ing. der Mechanik, meine Tante 76 Jahre war Zahnarztassistentin und die Kinder Minimum Magister, Betriebswirte usw. Es wird sehr grosser Wert auf Bildung gelegt. Zu den ersten Fragen gehört, was hast Du studiert, was arbeitest Du, was verdient man und welche Sprachen sprichst Du?!
      Im Elternhaus meiner Mutter wurde mein Empfang und Zusammentreffen gefeiert. Von 12.00 Uhr mittags bis ca. 17.00 Uhr wurde alles was Küche und Keller hergab gereicht. Ich hab mir gedacht, mit meinem Kostüm und weißer Bluse würde es schon für so einen Anlass passend sein. Weit gefehlt, die jüngeren hatten Markenware und nicht nur T-Shirts an, von wegen altmodisch. Die Mädels Minis, Tops, Kleidchen und natürlich wunderschöne Sommer-Schühchen.
      Auf meine Frage, wie man sich hier solche Markenbekleidung leisten könnte, wurde mir erklärt z.B. kostet in Österreich ein Hilfinger Oberteil ca. € 70,-- in UA eben umgerechnet € 18,--. Meine Cousine Oksana ist Lehrerin und verdient 150,00 im Monat. Für besondere Anlässe werden eben solche Luxus-Artikel gekauft und man trägt diese dann mit dementsprechenden Stolz.
      Bei meinem völligen Alleinspaziergang in Lviv, konnte ich beobachten, daß sowohl Frauen wie auch Männer, vorallem auch Studenten sehr gut gekleidet sind. d.h. keine verschmutzten Jeans, oder zerknitterte (ungebügelte) Oberteile usw. Ich wohne in der Nähe unserer FH, das glaubt man nicht, wie manche herumlaufen.
      Aufgefallen ist mir, daß in so kleinen Cafes die Ukrainer untereinander irgendwie so warmherzig, gedämpft sich unterhalten und vorallem, daß die Gesichtsmimik zu einem Schmunzeln, oder Lächeln neigt. Bei uns in der Innenstadt sieht man dies maximal bei Touristen. Unsere Einheimischen blicken immer so vergrämt und lachen eher selten. Die Steirer sind im Wesen den Bayern sehr ähnlich.
      Mein Rat, sei einfach Du selbst, mach Dich nicht jetzt schon verrückt und lass Dich einfach von der Ukraine und deren Bewohnern verzaubern. Abschliessend noch, fahr alleine - diese Erfahrung kann Dir niemand wieder wegnehmen.

      Siggi schrieb:

      weil es unseren persönlichen Erfahrungen widerspricht (z.B. bin ich schon mehrfach in ländlichen Regionen und im Dorf von der Polizei kontrolliert worden, erst recht würde ich mit einer alten Kiste nicht zum Flughafen fahren, wenn ich keinen Führerschein hätte, denn die Polizei kontrolliert die älteren Autos gern).

      Dem kann ich aus persoenlicher Erfahrung nur zustimmen.
      Man sollte auch nicht vergessen das es auch hier in UA sogenannte "Neider" gibt. Und gerade auf dem Dorf wuerde dies schnell in die Hose gehen. :thumbup:
      mfg
      badossi
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      Wer keine Angst vorm Teufel hat, braucht auch keinen Gott.
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