Moinsen liebe Forumsmitglieder.
Der Opa meiner Freundin ist letzte Nacht gestorben.
Was mich überrascht ist, wie jetzt das weitere Prozedere vorgesehen ist. Die Beerdigung soll schon morgen sein, da man Angst hat dass sich sonst Krankheiten in der Wohnung ausbreiten könnten. Auf meine Frage hin bzgl. Kühlraum beim Bestatter wurde gesagt sowas sei nicht üblich. Auch der Arzt müsse keinen Totenschein ausstellen....er war ja alt und krank also kümmert das wohl keinen.
Ich frage mich wie die das machen, innerhalb von 24 Stunden nen Grab finden und ausheben, Blumen, Pfarrer, Essen besorgen, Leute einladen und der ganze Papierkram. Am liebsten hätte man ihn wohl noch heute beerdigt, aber so schnell gings dann wohl doch nicht. Jedenfalls lag er schon 2 Stunden nach seinem Tod eingesargt im Schlafzimmer.
Meine Frage ist, ist es üblich dass in UA kein Totenschein ausgestellt wird und Beerdigungen so schnell stattfinden? Gibts dort überhaupt sowas wie Kühlzellen beim Bestatter oder ist das westliches Phantasiedenken?
Ukrainische Beerdigung
-
-
Mein Beileid!
Das es so schnell geht kenne ich auch von der Oma meiner Frau.
Meist gibt es Familiegräber.... Da werden die Verstorbenen dazu gebettet....
Wenn du willst befrage ich meine Frau für weitere Infos.... Dann bitte PN
-
Auch der Arzt müsse keinen Totenschein ausstellen
Kann ich mir nicht vorstellen.
Da solltest du noch mal nachfragen.
Es gibt eine Sterbeurkunde beim SAKS (Standesamt) und die wollen sicher einen Nachweis haben.
In unserer Stadt kommt sogar die Polizia mit dem Arzt vorbei, um eventuell irgendwelche "Ungereimtheiten" zu finden, sagt meine Frau.Ansonsten ist hier im allgemeinen nichts mit Kühlhaus und so.
Am nächsten Tag wird begraben. -
Quatsch.
Ohne Totenschein keine Sterbeurkunde.....:)))) -
Es gibt eine Altersgrenze bis zu der untersucht wird, ich glaube es war 65, darueber nur wenn irgendwas merkwuerdig ist.
Den Experten (so nennt man den Pathologen) im ersten Fall zahlt die Familie. Sie macht eigentlich alles selber.
Bestatter an sich sind nicht etabliert. Es gibt einige Ritual Laeden die inzwischen spezielle Fahrzeuge haben, es gibt auch jemanden der das Waschen und Ankleiden uebernimmt wenn es die Familie nicht selber machen will oder kann.
Man geht in den Ritual Laden, kauft den Sarg, einen Bestattungsanzug, Schuhe, Ring, Kreuze, Kerzen, Plastikkraenze usw.
Fuer jeden Friedhof gibt es ein paar Leute die am Vorabend der Bestattung die Grube ausheben und danach gut einen bechern. Sie schliessen dann auch am naechsten Tag die Grube.
Der Verstorbene liegt eine Nacht aufgebahrt in seiner Wohnung, im Winter kann es auch laenger sein, aber Bestattung am naechsten Tag ist normal. Zur Not kommen Kuehlakkus in den Sarg bis er das Haus verlaesst.
Die Beerdigung leitet der Priester, es gibt aber auch weltliche Grabredner die im Prinzip nichts anders machen.
Je nach Region und Aufwand kostet das ganze inzwischen um die 30 TUAH.
Es ist ueblich dass die Gaeste zur Beerdigung Geld schenken.
Die Trauerfeier ist ein auf 2-3 Stunden begrenzter Event, dann geht jeder seines Weges.
Die Familie macht dann nach 40 Tagen noch mal eine groessere Andacht und auch Feier.
So wie ich das hier erlebt habe, effektiv, dem Anlass angemessen, nur der ganze Plastikkram und Muell der da verbuddelt wird oder auf den Friedhoefen rumliegt ist bissel befremdlich.
-
Die Seele des soll in den Himmel kommen. Dafür werden alle Fenster und Türen geöffnet, auch die Einfahrt ins Haus. Deswegen wird nicht gekühlt. Daran glauben die Menschen. Auch das man sich bevor die Seele denn Körper des Verstorbenen verlässt, man sich von ihm verabschieden kann/soll/muss.
Sprich die Leiche kühl stellen, widerspricht alles an was die Ukrainer glauben. Aber natürlich ist es auch möglich, in jeder größeren Stadt. Wen ein Mensch stirbt deren Verwanden aber weit wegwohnen und nicht einfach so mal eben nach 2 Stunden die Leiche abholen können.
-
Och, die Leute werden hier auch mitten in Kiew mit offenem Sarg auf der Strasse, vorm Eingang von Hochhäusern aufgebart.
Darum versammeln sich dann grössere Menschenmengen.
Neulich auch erst wieder gesehen.
Als ich sowas vor 10 Jahren zum ersten Mal gesehen hab, dachte ich auch nur, andere Länder andere Sitten...
In meiner Jugend gabs das in Deutschland auf den Dörfern auch noch. Aber im Haus. Glaub vor 15-20 Jahren hab ich das bei uns im Dorf zuletzt gesehen. Glaube aber manche Bauern machen das Heute noch. Laut Wikipedia gibts das in Deutschland aber angeblich seit 50 Jahren nicht mehr. -
Quote
...mit offenem Sarg auf der Strasse, vorm Eingang von Hochhäusern aufgebart
Weder die Aufzuege noch die Treppenhaeuser sind fuer den Transport eines liegenden Sarges gebaut, so wird das ukrainisch- pragmatisch geloest.
In kleineren Orten wurde die Lage der guten Stube im Haus oft so gewaehlt, dass man jemanden aufbahren und anstaendig raustransportieren kann.
Fuer nichts anderes ist meistens sogar eine ansonsten recht sinnlose Doppeltuer eingebaut. Wenn man viele Haeuschen von innen sieht und mal darauf achtet, faellt das richtig auf.
-
Bin ich auch vor einigen Tagen hinter einer Menschenmenge gefahren , die einen toten zum Friedhof brachten
-
Ich kann mich erinnern, dass meine Urgroßmutter so um 1972,73 auch durchs ganze Dorf bis zur Leichenhalle getragen wurde und die ganze Familie hinter dem Pfarrer mitmarschiert ist. War irgendwie ein ziemliches Event im Gegensatz zu heute, wo ein Leichenwagen die Überreste einpackt und einfach davon fährt.
-
Ich habe da gerade aktuellste Erfahrung in diesem Thema.
Meine Schwiegermutter ist kürzlich in Lviv verstorben. Wir, meine Frau und ich wohnen in Deutschland und die einzigen nahen Verwandten. Es passierte an einem Sonntag und wir waren gut vorbereitet, da wir damit rechnen mussten. Vor Ort hat die Pflegekraft noch die SMH geholt und diese hat sie ins KH gebracht, wo sie wenig später gestorben ist. Man sagte uns, dass es für uns der "einfachere Weg" wäre, da dort gleich der Totenschein ausgestellt und die Miliz nicht hinzugezogen werden muss und dort auch eine Kapelle ist. Wir waren am folgeenden Tag vor Ort (bin die ganze Nacht durchgefahren) und Lauferei begann. Vier Tage war sie in der Kühlung, da kein früherer Termin frei war. Wir mussten für den Bestatter (Friedhof) die Sterbeurkunde, die Eheurkunde und die Heiratsurkunde des verstorbenen vorweisen und die Geburtsurkunde des Hinterbliebenen.
Um die Urkunden beim SAKS zu bekommen, ist für Ausländer (wir haben beide deutsche Pässe), eine Übersetzung des Passes in die ukr. Sprache von einem entsprechenden Büro notwendig.
Nicht alle Urkunden bekamen wir bei einem SAKS, so hätten wir dies nie an einem Tag geschaft.
Dann muss man noch den Bus zum KH bzw. zur Kapelle bestellen, diese wollen ebenfalls die entsp. Ukrunden.
Es war echt stressig und das in der Großstadt. Die Wege vom Dorf aus sind doch wesentlich weiter. Es kann in anderen Gegenden in der Ukraine etwas anders laufen, aber es ist eigentlich gesetzlich alles so vorgesehen. Für Ukrainer, ist sicher leichter, da sie sich mit den Ämtern besser auskennen. -
Herzliches Beileid!
-
Je nach Region und Aufwand kostet das ganze inzwischen um die 30 TUAH
In diesem Punkt stimme ich nicht mit dir überein, es kostet ca. 6-10TUAH, ist halt eine andere Region. Es geht aber auch extrem nach oben wenn ein Monument gebaut wird. Viele haben aber auch Porträs auf dem Grabstein
Fuer jeden Friedhof gibt es ein paar Leute die am Vorabend der Bestattung die Grube ausheben und danach gut einen bechern. Sie schliessen dann auch am naechsten Tag die Grube.
Die Angehörigen können zuschauen wie das Grab innerhalb von ca. 45 Sekunden geschlossen wird.
-
Im teuren Lemberg haben wir in diesem Jahr rund 15.000 UAH für die ganze Prozedur bezahlt, was auch die Verlegung und Einsegnung an den bereits vorhandenen Grabplatz bei Tarnopil beinhaltet. Das Bild zeigt den Zwischenzustand. Später wurden Grabstein und Einfassung in Auftrag gegeben, was nochmal 12.000 UAH ausmachte. Relativ teuer ist das alles im Магазин ритуальної атрибутики. zu finden, aber als erste Orientierung hat es uns geholfen.
-
Die Tante muss ja Qualitäten haben...:)
-
Im teuren Lemberg haben wir in diesem Jahr rund 15.000 UAH für die ganze Prozedur bezahlt, was auch die Verlegung und Einsegnung an den bereits vorhandenen Grabplatz bei Tarnopil beinhaltet. Das Bild zeigt den Zwischenzustand. Später wurden Grabstein und Einfassung in Auftrag gegeben, was nochmal 12.000 UAH ausmachte. Relativ teuer ist das alles im Магазин ритуальної атрибутики. zu finden, aber als erste Orientierung hat es uns geholfen.
Uns hat die gesammte Beerdigung, ebenfalls in Lemberg, incl. Gastronomie 17.500 UAH gekostet.
Participate now!
Don’t have an account yet? Register yourself now and be a part of our community!