Energieversorgung in der Ukraine

  • Hallo,
    Siggi hat mich darauf aufmerksam gemacht, diese Thema lieber öffentlich zu stellen:


    Vor kurzem war ich bei meiner Freundin in Lviv, danach für paar Tage in ihrem Dort.
    Als ein Ingenieur, war ich sehr erschrocken, wie dort mit Energie umgegangen wird. Ich arbeite nämlich in der Energiebranche.
    Aber dort wird ja viel Energie verschwendet. Habe dort Leitungen gesehen, die draussen verlegt und nicht mal isoliert waren, damit die Wärme nicht entweicht.
    Ist es dort so, dass die Gaspreise so niedrig sind?
    Kenne die Leute dort begriffe wie Wärmepumpe, Photovoltaik, Wärmedämmung, Blockheizkraftwerk, erneuerbare Energie?
    Hab gesehen, dass Sie in ihren Häuser solche Kollektoren oder so ähnlich nennen sie diese Gasverbrennungsgeräte. Dabei wird in die Wohnung eine Gasleitung verlegt und in dieser brennt eine kleine Flamme. Diese schaltet wahrscheinlich durch einen Temperaturfühler die Gaszuführ ab oder zu.
    Aber in meinen Augen werden die heissen Abgase einfach nach draussen befördet. Kennen die Begriffe wie Konvektion und Wärmestrahlung?
    Mir ist eigentlich aufgefallen, dass der Markt dort riesig ist und soviele Möglichkeiten bieten, um Energie zu sparen. Alleine schon die Wärmedämmung der Häuser bzw. neuartige Fenster.


    Wie ist die Meinung derjenigen, die schon länger dort leben? Würde es sich lohnen in diesen Bereich dort was aufzubauen?


    Vielen Danke!

  • Wie ist die Meinung derjenigen, die schon länger dort leben? Würde es sich lohnen in diesen Bereich dort was aufzubauen?

    ich persönlich denke schon sehr lange über dieses Thema nach. Ich lebe nun schon seid acht Jahren ständig hier in der Ukraine. Vom meinem persönlichen empfinden, ist ein grosses Potential vorhanden. Bei uns hier in der Gegend, werden die Wohnungen der Wohnblöcke von aussen schon in Halsbrecherischen Aktivitäten isoliert.


    Besonders aber mit Windkraft könnte man sicher einiges Anfangen, wobei ich aber denke, es werden ziemlich viel Hürden aufgebaut durch die Bürokratie.

    » Es ist ein großer Vorteil im Leben, die Fehler, aus denen man lernen kann, früh zu begehen. «

    Winston Churchill



  • Wir haben einen kurzen Blogeintrag zu diesem Thema geschrieben. Interessant ist insbesondere ein Video mit zugehörigem Hintergrundartikel .


    Zusammenfassend kann man sagen, dass Energieeffizienz wohl bisher und sicherlich auch in näherer Zukunft nur für wenige ein Thema ist. Man muss einfach sehen, dass die Energiepreise (noch) auf einem so niedrigen Niveau sind, dass alle Maßnahmen zur Energieeinsparung wenig bis gar keine Rendite versprechen. Sollten die Energiepreise aber mal auf ein realistisches Niveau ansteigen (die Preise sind erheblich subventioniert), wird sicherlich schnell ein entsprechender Markt vorhanden sein.

  • Kenne die Leute dort begriffe wie Wärmepumpe, Photovoltaik, Wärmedämmung, Blockheizkraftwerk, erneuerbare Energie?


    Dies gibt es auch hier, nur wer kann sich dies leisten?
    Wie schon beschrieben rüstet mancher auch eine Fassadendämmung nach.
    Bei den Hightech Profukten sollte man aber auch über den mangelnden Service nachdenken. Was nützt dir eine defekte Wärmepumpe im Winter? Ersatzteile hat niemand auf Lager. Diese werden bei Bedarf und Vorkasse bestellt.

    mfg
    badossi
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    Wer keine Angst vorm Teufel hat, braucht auch keinen Gott.
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  • Hallo zusammen. Ich finde die Frage von Basty gut und habe mir selbst oft schon die gleiche Frage gestellt. Man will schon was machen darf aber oft gar nicht. Schwiegereltern wohnen noch in einer Wohnung die meinem Schatz gehört. Dort wollten sie auf eine neue Therme wechseln und sich von der Gemeinschaftsheizanlage (Einrohrsystem) trennen. Nur das lassen die nicht zu. Niemand darf mehr vom Heizsystem weg gehen. Dann kann man zu Gericht gehen und klagen. Schwiegervater hat das schon dreimal beantragt. Eine Therme für die eigene Wohnung wäre enorm sparsam und günstiger. Derzeit besteht die Heizungsregelung aus einem Fensterthermostat. (Zu warm = Fenster auf) Mal sehen wie lange ($$) diese Weigerung noch bestehen bleibt.
    Wir haben bei unserem letzten Besuch alle Lampen in der Wohnung gegen Energiesparlampen getauscht. Mit dem Erfolg, dass merklich weniger Strom bezahlt werden muss. Ich glaube man weiß schon um die Möglichkeiten der Einsparungen aber es fehlt einfach das Geld und solange die Energie günstig ist, wird man sie einfach so verbrauchen.
    Ich habe mir vorgenommen beim Haus der Großmutter demnächst die oberste Geschossdecke mit mind. 20 cm zu dämmen und bei den Räumen auf Erdboden Estrich und Dämmung zu machen. Dazu noch eine neue Heizung sowie Fenster und Eingangstüre erneuern. VWS lasse ich erstmal, da ich nicht weiß, wie so alte Häuser auf Vollwärmeschutz reagieren wegen der Schimmelbildung.
    Machbar wäre hier genauso wie in anderen Ländern sehr viel. Einsparungspotential gibt es genug. Leider ist derzeit noch kein Gedanke dafür bei den Leuten vorhanden bzw. hat noch kein Umdenken in diese Richtung eingesetzt. Mal sehen ob ich mit meine Maßnahmen Nachahmer finde.

    "Der Kopf ist rund damit das Denken seine Richtung ändern kann"

  • zmax ,
    >>wie so alte Häuser auf Vollwärmeschutz reagieren wegen der Schimmelbildung<<
    ich war viele Jahre in der Wärmedämmung WDVS u. Dachisolierungen
    Schimmelbildung ist schon möglich - allerdings wurde mir bis jetzt nur 1 Fall berichtet - bei 20 cm Aussendämmung dann innen Schimmel
    ich sehe mehr risiken bei der Feuchtigkeitsunterwanderung, die Aussendämmung verhindert die Ausdunstung der Grundmauern, dadurch wandert die Untergrundfeuchte weiter nach oben - erreicht höhergelegene Bereiche der Innenwände und bildet dauerhafte Feuchtflecke.
    Eine Feucht-Sperre im Sockelbereich mit Injektionen kann das verhindern; - oder ein voll - Mineralischer VWS.

  • Es ist ganz unterschiedlich, je nachdem, wo man wohnt.


    In den Städten hast Du keine Chance. Fernwärme - ohne jegliche Art der Regulierung, noch niemals ein Ventil existiert. Ich kann mich noch an den schönen Herbst im Jahr 2010 erinnern. Was habe ich mit meiner Frau geschimpft, da sie in unserer Wohnung in Sumy, die undichten Holzfenster ersetzt hatte! Mitte Oktober wurde die Fernwärme aktiviert und diese lieferte eine Wärmemenge an, die geeignet war, um die Verluste der undichten Holzfenster auszugleichen. In der Wohnung waren Temperaturen über 30°. Noch nie habe ich so hohe Temperaturen im Oktober ertragen müssen. Was wir taten: Wir öffneten eine Balkontür (auch nachts), um die Temperatur auf erträgliche 27° zu senken. Tiefer fiel die Temperatur nicht, denn der Balkon ist auch verglast und gab nicht genug Wärme ab. Das darf man keinem erzählen...


    Solange die Kosten für Heizung in der ganz überwiegenden Mehrzahl der Wohneinheiten vollkommen verbrauchsunabhängig abgerechnet werden und die Verbraucher keinen Einfluss auf die Regelung haben, wird sich das Verbrauchsverhalten auch nicht ändern (können) und somit wird niemand in Energiesparmaßnahmen investieren.


    Meine Frau hat vor einigen Jahren ihre Verweigerungshaltung "Mir kommt keine Heizung ins Haus, die nicht mehr läuft, wenn kein Strom da ist" aufgegeben. In ihrem Haus in Sumy haben wir eine moderne Gaszentralheizung, Thermostate an den Heizkörpern und dreifach-Fenster mit Wärmeschutzverglasung. Der diesjährige Anbau ist jetzt sogar mit Vollwärmeschutz versehen. In der Übergangszeit übernehmen zwei Inverter-Klimaanlagen die Heizung (bei 500W Energieeinsatz aus dem Netz gibt es ca. 2500W Heizleistung). Alles das gibt es in UA - man muss es nur zahlen können. Für das Haus zahlen wir deutlich weniger für die Heizung als für unsere Wohnung in Sumy, obwohl das Haus deutlich größer ist. Insgesamt sind die Energiepreise in UA immer noch deutlich günstiger als in DE (1000KW Elektrizität keine 300UAH).


    Wer die Energiesparmaßnahmen zahlen kann, kann auch die Energiekosten dreimal zahlen. Die Zielgruppe wären also Leute mit Idealen, nicht solche die Geld sparen wollen. Der Staat gibt keine Zuschüsse. Ökologisches Denken steckt in den Kinderschuhen.


    Gruß
    Siggi

  • Von Vollwärmeschutz ist abzuraten, zu den teuren Errichtungskosten die durch Heizkostenersparnis nicht wieder verdient werden, kommen die Sanierungskosten die je nach Ausführungsqualität früher oder später garantiert anfallen. Bauphysikalisch ist es falsch außen eine dichtere Schicht aufzubringen. Dies führt zur Durchfeuchtung der Wände. Eine feuchte Dämmung verliert übrigens den Großteil ihrer Dämmwirkung und die Feuchte führt zu Schäden wie Schimmel, Algen und abplatzenden Dünnputz. An der Nordseite bildet sich gern sogar eine Eisschicht. Die mineralische Dämmung(Steinwolle)ist nicht besser wie das billigere EPS(Extrudiertes Polystyrol) hat aber den Vorteil im Brandfall. Die Lösung sind hinterlüftete Fassaden (Feuchtigkeit wird abgeführt) bzw bei Neubau dickere /Dämmziegel.
    Also wie oben schon geschrieben. Mit der Dämmung der obersten Geschoßdecke beginnen dann Fenster austauschen was auch zu einem wahrnehmbaren Behaglichkeitsgewinn durch die niedrigeren Oberflächentemperaturen der Fenster führt.(3-fach Isolierglas aber auch 2 fach Isolierglas) Das 3-fach Isolierglas erfordert sehr dicke Fensterkonstruktionen die kosten.

  • Also wie oben schon geschrieben. Mit der Dämmung der obersten Geschoßdecke beginnen dann Fenster austauschen was auch zu einem wahrnehmbaren Behaglichkeitsgewinn durch die niedrigeren Oberflächentemperaturen der Fenster führt.(3-fach Isolierglas aber auch 2 fach Isolierglas) Das 3-fach Isolierglas erfordert sehr dicke Fensterkonstruktionen die kosten.

    Dies sind eigentlich nur jene Maßnahmen die ich in Österreich auch machen würde und die sich rasch rechnen werden. Mal schauen ob 3-fach verglaste Fenster hier überhaupt angeboten werden?

    "Der Kopf ist rund damit das Denken seine Richtung ändern kann"

  • Ein ordnungsgemäß ausgeführter Vollwärmeschutz ist hinterlüftet und hat das Problem der Durchfeuchtung nicht.


    Quote

    Bauphysikalisch ist es falsch außen eine dichtere Schicht aufzubringen.


    Noch viel problematischer wäre es, eine innen liegende Isolierung aufzubringen, die den Taupunkt in die Mauer verlagert. Tritt dann irgendwo eine Undichtigkeit auf und diffundiert Feuchtigkeit von innen in das Mauerwerk, so ist ein kapitaler Bauschaden gewiss. Aber in bestimmten Bereichen (z.B. bei historischen Stuckfassaden kann man nur innenliegend dämmen.


    Auch sollte man sich hüten, einfach mit den deutschen Vorstellungen in UA zu bauen. Es kommt immer darauf an, dass die Arbeiter auch die Materialien kennen und diese auch verarbeiten können. Sonst erlebt man unweigerlich eine Katastrophe oder man muss jeden Schritt überwachen und ggf. selbst eingreifen. (Nebenbei: Wir haben diese Katastrophe gerade umgekehrt in DE erlebt, wo die Maler auf den Dörfern offensichtlich keine Textiltapete mehr verarbeiten können.)


    Gruß
    Siggi

  • Bei den isolierungen wird nja eigentlich keine dampfsperre mehr eingebaut, des weiteren muss man beachten, das die Räume öfters gelüftet werden müssen. des weiteren ist zu beachten, wenn ich nur eine Etage, in einem mehretagen Haus isolieren will, bekomme ich Kältebrücken, wo ja eher eine Wasserdampf diffusion auftritt. So lange die heizköper nich reguliert werden können, ist das uninteressant, da ich aus der Wohnung ein Sauna mache. Des weiteren ist zu beachten, das durch den Fußboden und Decke ja auch Wärme verloren geht. Zu den Fenstern ist zu sagen, das der K wert bei Wärmeschutzverglasung bei 1,3 w/m2 liegt.

  • >>> wo die Maler auf den Dörfern offensichtlich keine Textiltapete mehr verarbeiten können <<<


    Mit Meister und 45 jahren war ich "zu Alt"
    ... und nun mit 60 soll ich wegen meinem "Alten Können" ein neues Hotel Tapezierten ...


    Berdsk >> da ich aus der Wohnung ein Sauna mache...
    Ich hatte einen Denkmalschutz Altbau aus Fachwerk und Stroh-Lehm Wand , - innen mit Auflattung und dampfbremsfolie geschlossen
    ist automatisch mit der Stehenden Luftschicht eine Wärmmeisolierung, Wandverkleidung mit Paneelen und Verkabelung in der Sockelleiste mit AufputzDosen -
    dazu dann vom Heizungsbauer die Berechneten Heizkörper um 40% reduziert -
    das alles über Jahre ohne Schimmel, sonst. Schaden oder zu wenig Wärme ...
    es ist hier schwierig einzelfälle zu beschreiben, als - oder der Fachmann muss die Probleme oder Problemzonen erkennen und korrekte lösungen finden .

  • Danke, dass der Staat auf dauer die Preise nicht so niedrig halte kann.


    Was kostet denn überhaupt 1 kWh Gas?


    Und wie sind denn die Strompreise? Vielleicht würde sich ein Blockheizkraftwerk rentieren, da dort Gas bilig ist. Man hätte dann Wärme und Strom.

  • Was kostet denn überhaupt 1 kWh Gas?

    im Moment bezahlen wir 80 UAH für hundert Kubikmeter = ca. 7,50 Euro


    denke auch die Preise werden weiter steigen, aber was machen dann diejenigen, welche nur ca. 100 - 150 Euro verdienen? Die Lebensmittelpreise, Butter, Fleisch, sind indentisch mit Deutschland

    » Es ist ein großer Vorteil im Leben, die Fehler, aus denen man lernen kann, früh zu begehen. «

    Winston Churchill



  • Und wie sind denn die Strompreise?


    Im Sommer habe ich für 1000kW/h eine Vorauszahlung von nicht mal 300UAH geleistet. Also ca. 0,3 UAH pro KW, was keine 3 Cent sind. Für das Haus meiner Frau zahlen wir ca. 200 UAH im Monat für Gas in der Heizperiode (alle Räume 24-25° auch die Schlafräume, keine Nachtabsenkung). Für Westeuropäer sind die Preise unfassbar günstig.


    Sicher werden die Preise steigen, der IWF wird bei der nächsten Kreditvergabe schon darauf drängen.


    Gruß
    Siggi

  • Siggi
    sorry, aber mit deiner Aussage komme ich nicht ganz klar.


    Bitte die Einheiten beachten kW und kWh. kw/h sind falsch.
    Ich nehme an du zahlst 0,3 UAH pro kWh??
    Das wäre dann also 0,03 € pro kWh (Umrechnung 1:10)??? Das wäre ja ganz schön günstig.
    In D kostet eine kWh ca. 24 cent.

  • Richtig, ein Schreibfehler meinerseits. kWh ist korrekt. Strom ist fast einen Faktor 10 günstiger.
    Tagesaktuelle Wechselkurse findet man hier:
    http://sumy.net.ua/?p=20&g=2
    Vieles andere ist auch wesentlich günstiger, vor allem Dienstleistungen. Die gesamten Nebenkosten sind sehr günstig. Kann mich noch daran erinnern, dass wir 2005 für Heizung keine 50 Euro gezahlt haben (im Jahr, nicht pro Monat). Das ist jetzt zwar ca. den Faktor 3 teurer geworden, aber immer noch vergleichsweise günstig, wenn man Maßstäbe aus Westeuropa zu Grunde legt.


    Gruß
    Siggi

  • Ein ordnungsgemäß ausgeführter Vollwärmeschutz ist hinterlüftet und hat das Problem der Durchfeuchtung nicht.


    Ja so sieht die Variante mit echter Hinterlüftung aus. (Wenn die Dämmung von innen durchfeuchtet wird ,wird die Feuchtigkeit durch die strömende Luft im Zwischenraum abgeführt. Somit funktioniert Wärmedämmung und Entfeuchtung)
    http://www.sto.de/webdocs/0101/cad/pdf/VA%20001.pdf
    Üblich ist aber die Variante ohne Hinterlüftung
    Der eingezeichnete Kleber wird übrigens nicht vollflächig aufgebracht sondern nur am Plattenrand entlang +ein paar Punkte. Daraus folgt da ist Luft eingeschlossen die von innen feucht wird und deshalb Schimmelts da mit Garantie. Weiters wird die Dämmung durchfeuchtet und die Feuchtigkeit kann durch den Putz nicht raus oder nicht so viel wie notwendig woraus dann die Putzschäden folgen. (Veralgung, Schimmel, Abplatzen, Risse)
    http://www.sto.de/webdocs/0101/cad/pdf/W_010.pdf

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