Alles scheint relativ zu sein. Wir leben seit fast vier Wochen ohne tägliche Hirnwäsche in Südostasien in fast digitaler Auszeit und fühlen uns wohl in einer waschechten Militärdiktatur unter Palmen. Als ob schon der 1.April wäre, werden hier russische Touristen die fast täglich mit gecharterten Boeings eintreffen, vom Tourismusminister persönlich begrüßt und selbst die Flughafenfeuerwehr fährt Wasserkanonen auf. Im Nachbarland Vietnam trifft man Russen und Weißrussen die mittlerweile sogar visafrei reindürfen. Unterm Strich, man verhält sich in Südostasien neutral. Überall slawische Laute und wenn man näher hinhört auch mal ukrainisch, denn nicht nur Familien mit Kindern suchen ihr Glück, auffallend viele junge Männer sitzen auf den Banken bei der Kontoeröffnung, einige Gutbepackte sind wie die GIs vor vierzig Jahren offensichtlich auch zum rest and recreation vor oder nach dem Einsatz hier und alle eint das entspannte Gefühl, daheim das geht schon seinen Gang. Die Russen die hier schon länger siedeln erklären mir den Unterschied zwischen "deutschem Blitzkrieg" und einer Spezialoperation und die meisten sagen, alles sei schlimm aber notwenig. Die Kombination Putin=Pisdez habe ich bisher eher selten vernommen. Einige Deutsche und Schweizer schütteln selbstredend die Köpfe über das sonnige Gemüt der Russen am Strand oder diskutieren die bald endenden Reserven, spätestens beim deutschen Wort Puma werden sie aber wieder ganz still. Fortsetzung folgt..
So richtig kann ich Deine subjektive Erfahrung in Thailand nicht nachvollziehen. Vielleicht bist Du ja nur etwas böse, weil die Tickets aus Europa im Moment so teuer sind...? Aber das liegt nicht an den hohen Preisen für Treibstoff oder den langen Umwegen den die Flugzeuge jetzt nehmen müssen. Auch nicht an Putin oder dem Krieg. Der Grund dafür ist ganz im Gegenteil bei den Thailändern selbst zu suchen. Die hatten zu lange und zu strikt das ganze Land geschlossen. Urlauber mussten bis zum Herbst mehrere Tests und spezielle Versicherungen vorlegen. Dazu durfte man sich nur in ausgesuchte Hotels begeben. Die natürlich nicht so billig waren wie die üblichen Herbergen. Also war das Flugangebot sehr eingeschränkt.
Die USA und Südamerika waren schon lange offen und deshalb haben die ganzen Fluggesellschaften die Kapazität in diese Richtung gelenkt. Das war besser planbar. Also eher Dom-Rep, USA und Mexiko anstatt Thailand. Flugzeuge und Crews kann man nicht aus dem Hut zaubern und mal eben bei entsprechender Nachfrage die Kapazitäten nach Thailand umleiten. Weniger Flüge = Hohe Preise. Diese Situation herrscht im Moment bei Flügen aus Europa nach Asien. Aber in der nächsten Saison wird es wieder billiger. Versprochen. In die USA oder nach Mexiko kommst Du doch ohne Problem für 300-400 Euro. Nur nach Thailand momentan kaum unter 1.000 Euro. Eben weil die Thais den richtigen Zeitpunkt für den Fall aller Corona-Maßnahmen verpennt haben. Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben (oder so)...
Die Russen haben natürlich Kapazitäten ohne Ende frei. Schließlich ist die halbe Welt für die Russen geschlossen und in den meisten Ländern die man noch anfliegen könnte, herrscht kein tolles Touristen-Wetter. Also geht es dieses Jahr für viele Russen nach Thailand. Ich kann mich noch gut an die Situation vor zwei Jahren erinnern. Eigentlich ist Sansibar eine Destination der Europäer. Die kamen aber 2020 nicht. Also nutzen die Russen die Chance und haben massig viele Leute nach Sansibar geschickt. Das war billig, aber halt von der Qualität her nicht mit Thailand zu vergleichen.
So richtig viele Flugzeuge fliegen aber selbst 2022/23 nicht aus Russland nach Thailand. Und den Empfang mit Wasser-Kanone und Touristik-Minister gab es natürlich nur, weil schon klar war, dass in diesem Jahr die Europäer nicht im gewohnten Maße erscheinen und mit den Chinesen hatte man sowieso nicht mehr gerechnet. Also wurden die Russen als letzte Hoffnung der Touristik-Industrie hofiert.
Ich habe mal nachgezählt und bin bei den beiden Haupt-Airports Bangkok und Phuket auf zusammen gerade einmal sechs Flüge aus Russland gekommen. Pro Tag. 2/3 der Flugzeuge waren keine großen Maschinen, sondern eher vom Typ Wizz-Air. Also klein und unbequem. Selbst wenn alle Flugzeuge voll waren, sollten da maximal 1.000 bis 1.200 Leute angekommen sein. Und das eben in der absoluten Hauptsaison. Zudem kannst Du Dir ansehen wie oft die Flugzeuge mit denen die Russen unterwegs waren in den letzten Tagen überhaupt geflogen sind. Russland ist ja nicht so weit weg wie Europa. Also kein Flug über 12 oder 15 Stunden. Die kleinen Maschinen waren gerade mal um die sechs Stunden unterwegs. Wobei trotzdem in der Regel nur ein Flug pro Tag auf dem Flugplan stand. Oft standen die Flugzeuge sogar über Tage irgendwo rum ohne sich zu bewegen. Auf diese Weise kann man (sofern man keine Flugzeuge klaut) keine Airline wirtschaftlich betreiben.
Momentan verlieren die Russen im Schnitt zwei Prozent aller Passagierflugzeuge pro Monat. Die sind dann wegen dringender Wartungsarbeiten und fehlender Ersatzteile nicht mehr einsatzfähig, oder wurden direkt ausgeschlachtet. Hat Putin den Airlines im letzten Sommer sogar empfohlen. Ersatzteilschmuggler sind bereits mehrfach aufgeflogen. Eine Firma die auch später noch im Geschäft bleiben will, wird den Russen sowieso nichts an Ersatzteilen liefern. Auch nicht wenn diese Firmen in China oder der Türkei sitzen. Darum hat die Airline-Industrie der Russen doch gerade erst um die Aufhebung von entsprechenden Sanktionen gebettelt und sogar einen Milliardenbetrag in Aussicht gestellt. Für den Kauf von Ersatzteilen und als weitere Entschädigung für geklaute Flugzeuge. Natürlich nicht von den Airlines selbst finanziert, sondern vom Staat. Sonst fahren die Russen 2024 wieder mit dem Zug in den Urlaub...
Siehe auch: https://de.marketscreener.com/…-Leasingfirmen--42606364/