Sicht der Ukraine

      An das Steuersystem will offen keiner ran. Dazu muss man die Historie ein wenig beruecksichtigen. Es ist ein wenig vergleichbar mit Griechenland, da ist "Staat ausnehmen" traditionell Volkssport weil der Staat aus historischen Gruenden als Gegner betrachtet wird.

      Die Ukrainsche SSR war (wie auch die anderen Sowjetrepubliken) eher so eine Kolonie von Moskau. Und Moskau hat alles eingesammelt, was sie aus der Ukraine haben wollten. Mit der "Unabhaengigkeit" wurde der Moskauer "Kolonialherr" durch die eigene Regierung ersetzt, allerdings ist das Misstrauen gegen die nun andere Obrigkeit immer noch tief drin und wird auch vererbt.

      Und von der neuen Obrigkeit hat es keine geschafft, das Hamsterrad in dem der Steuerzahler vor dem Finanzamt wegrennt anzuhalten.

      Und wenn ich mir die aktuell mit Blick auf Wahl 2019 geklebten Plakate angucke, da tut sich auch in Zukunft nix.

      Zu den Immobilien, das ist eigentlich der Teil Vermoegen, den ein Staat am einfachsten und auch am brutalsten besteuern kann. Immobilien koennen nicht weg laufen, wenn die darauf gelegte Steuerlast nicht entrichtet wird, kann man sie recht easy konfiszieren.

      Der Ansatz Wohnungen bis 65 qm und Haeuser bis 130 qm frei zu lassen und ab da eine Steuer zu kassieren ist schon mal nicht schlecht. Und wenn man ein aufgeraeumtes Kataster hat, kann man ja auch anfangen nach der Anzahl der Objekte je Besitzer zu staffeln. Ab der 10. Wohnung/ Haus knallt man gleich mal eine Zwangshypothek 3000 UAH/qm drauf. Damit ist die Schwarzarbeit beim Bau nachtraeglich besteuert ;) Ok, ein Traum, in der Rada sitzen jede Menge Immobilienbesitzer...
      Die Ukrainsche SSR war (wie
      auch die anderen Sowjetrepubliken) eher so eine Kolonie von Moskau. Und
      Moskau hat alles eingesammelt, was sie aus der Ukraine haben wollten.
      Mit der "Unabhaengigkeit" wurde der Moskauer "Kolonialherr" durch die
      eigene Regierung ersetzt, allerdings ist das Misstrauen gegen die nun
      andere Obrigkeit immer noch tief drin und wird auch vererbt.


      Ich
      denke da spielen andere Faktoren eine größere Rolle. Ich würde
      behaupten, je kleiner das Land und je nationaler orientiert, je eher
      besteht die Möglichkeit das hier entsprechende Regelungen in der
      Gesellschaft ankommen. Aber wenn die Verwurzelung im Lande, sprich man
      ist bewußt Ukrainer, nicht da ist, dann wird man auch nicht einem
      übergeordneten Staatswesen sein Geld geben wollen. Kleine Länder, mit
      den selben Ausgangsvoraussetzungen wie z.B. im Baltikum, haben das ja
      geregelt bekommen.

      Und im KFZ Import bzw. der Zulassung muß dann eben
      irgendwann der Schalter umgelegt werden. Sprich Zölle runter,
      vernünftige Registrierungspraxis, eventuell eine jährliche Steuer, usw. -
      sprich der Staat entfert sich geistig von der Grenze an der man dem
      Bürger das Geld direkt abknöpft hin zu einem "normalen" Verhalten. Sowas
      wie, eine entsprechende Rechnung - ob das nun MwSt. für den KFZ Händler
      oder eine Steuer für das geliebte Vehikel ist, wird ausgesandt - und
      vom Bürger befriedigt. Bloß mit der blau-gelben Farbe gegen Moskau und
      für die Ukraine schreien, das hat nichts mit Bürgerbewußtsein und
      Nationalstaatsbildung zu tun..., das langt nicht.
      Also wenn ich mir das Modell "Belarus" hier so anschaue, tuts irgendwie funktionieren.
      Flattax 5% gibt es hier auch, aber nur bis max. 60k€ Jahresumsatz.
      Danach sind 13 bzw 16% EkSt. fällig.

      Es gibt auch noch die Pauschalbesteureung (eine fixe - sehr geringe - Summe im Monat).
      Aber nur für ganz bestimmte Tätigkeiten.

      Autoimport ist seit 2010 extrem teuer.
      bis zu 20€(!) pro ccm Hubraum.
      Lohnt sich letztendlich nur bei Autos um die drei Jahren und mit kleinem Motor (da ist der Steuersatz "nur" 1.5€ pro ccm).

      Wie der Staat hier insgesamt auch nicht klein beigibt sieht man an Folgendem:
      Seit einigen Jahren gibt es nun eine KFZ-Steuer.
      Die der normale Weißrusse aber nicht zahlen wollte...
      Also gab es fortan nur noch den TÜV gegen Vorlage der bezahlten KFZ-Steuer.
      Also ging der normale Weißrusse halt nicht mehr zum TÜV...
      Also wurde die Strafe beim Erwischtwerden erhöht.
      Gingen trotzdem viele Weißrussen nicht zum TÜV.

      Also setzt die GAI nun auf festinstallierte Kennzeichen-Scanner (Screening).
      Da ermittelt der Computer automatisch, welches Fahrzeug sich offensichtlich bewegt, aber keinen TÜV hat (und keine Steuer bezahlt hat).
      Die Strafe inkl. Steuernachzahlung gibts dann vollautomatisch per Post.

      Ausländische PKWs werden auch schon seit geraumer Zeit "gescreened" und an einigen Stellen der hiesigen Transitstrecken aus dem Verkehr herausgefischt,
      falls noch offene Strafen (Blitzer/Geschwindkeitsübertretungen) aus der Vergangenheit vorhanden sind.

      Hier macht sich der Staat alle Vorteile der modernen EDV zu Nutze... :)
      (Datenschutz hamwa hier halt nich...)
      Hier macht sich der Staat alle Vorteile der modernen EDV zu Nutze... :) (Datenschutz hamwa hier halt nich...)


      Ach diese boese weissrussische Diktatur. Warum nimmt man nicht die EU als Beispiel? Da hebelt sich die DSGVO in Artikel 6 e gegenueber Behoerden selber komplett aus, nicht- Datenschutz direkt ins Gesetz gepinselt.

      MrMogilev schrieb:

      Datenschutz hamwa hier halt nich...)

      Der ist ohnehin nur dafür da, damit ich nicht Deine ausstehenden Strafen sehen kann. Der Staat verschafft sich immer schon Zugang zu den Daten, die er für "hoheitliche Aufgaben" benötigt.

      MrMogilev schrieb:

      Autoimport ist seit 2010 extrem teuer.

      In Dänemark wird 180% Luxussteuer fällig. In Österreich die NOVA. Funktioniert beides. Es muss eben nur durchgesetzt werden.

      Ich finde eine hohe Steuerbelastung auf KFZ nicht so verkehrt. Damit belastet man zumindest die Besitzenden. Wenn man es dann noch exponentiell mit der Hubraumgröße steigen lässt, trifft es die Richtigen und nicht den kleinen Mann, der bei Einkommenssteuer Flat Tax in UA mehr blutet, als beim progressiven Steuermodell in DE.

      Gruß
      Siggi
      Den Staat nimmt keiner aus weil er die Steuer nichtmal haben will.
      Also praktisch keine erhebt.
      Das ist aber nunmal die ursprüngliche Tätigkeit eines Staates, nämlich einen Haushalt aufzustellen, aus dem er seine Aufgaben finanziert, und diese Mittel von der Bevölkerung einzutreiben. Wie in deutschland oder China auch.
      Genau das passiert hier nicht und das bedroht die Staatlichkeit mehr als der Russe.
      Das ist der Grund für fast alle Probleme, von der geringen Lebenserwartung, der niedrigen Geburtenrate, der dramatischen Abwanderung usw.
      Und wenn man das mit Weissrussland vergleicht ist der Freibetrag wie oben beschrieben schon gigantisch mit 60.000.- Euro im Vergleich zu Deutschland mit 17.000.- Euro.
      In der Ukraine, immerhin dem ärmsten Land Europas, ist er aber noch 3 Mal höher.
      Das ist wohl auch der Hauptgrund warum der weissrussische Staat im Vergleich zur Ukraine ganz anders da steht.
      Einkommen und Renten mithin auch höher sind und die Strassen und Krankenhäuser ebenfalls im normalen Zustand.
      Das ist das ganze Geheimnis der Verbesserung der Lage der Ukraine.
      Zugleich auch die einzige Möglichkeit einer Besserung.

      Sowas kann man nur als Off-Shore Staat bezeichnen.
      Kurios ist dabei nur, dass sowas im Armenhaus Europas stattfindet.
      Aber eigentlich auch wieder Folgerichtig. Das eine bedingt das andere.

      Ahrens schrieb:

      Den Staat nimmt keiner aus weil er die Steuer nichtmal haben will.
      Also praktisch keine erhebt.


      Es gibt aber auch viele Unternehmen, die das einfach nicht bezahlen können. Der Hauptgrund dürfte die sehr energiehungrige Industrie sein. Durch den sehr schnellen Preisanstieg ist das auch sehr schwer zu bewältigen. Neue Investitionen sehr selten und die Rechtssicherheit soll auch ein Problem sein. Also wo sollen mehr Geld eingenommen werden, als bei den normalen Nebenkosten - also bei jedem - und der Mineralölsteuer ... ??
      und das Armenhaus Ukraine glaub ich auch nicht ... und wenn die Mobilität zu sehr verteuert wird, dann würgt es zwangsläufig Business ab ... also mal besser unorganisiert laufen lassen
      Sehr viele haben keine Häuser , sondern kleine Schlösser :))

      Stand 2018: Für die Tilgung müsste jeder ukrainische Staatsbürger 1800 US-Dollar (umgerechnet 1562 Euro) bezahlen

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „donlord“ ()

      Was 5% Steuer?
      Also ich würd sagen dann ist das Wort "Unternehmen" nicht zutreffend.
      Also man kann ja ausser in Deutschland, kein Unternehmen mit dem Ziel aufmachen, noch Geld vom Staat zu erhalten, dafür dass man nun eine GmbH anmeldet.
      Also Unternehmen sind in der Regel Veranstaltungen mit dem Sinn der Gewinnerzielung sonst kann man es auch lassen.
      Wenn man davon dann keine 5% abziehen kann, dann weiss ich es auch nicht.
      Dann vielleicht gleich zurück auf die Bäume und wir lassen das lieber mit der Zivilisation usw....:)))
      Wenns nicht geht, geht es eben nicht....
      Oder wir versuchen es nochmal mit dem Kommunismus. Da waren die Leute wenigstens satt und gingen zur Schule.
      Kann ja nur besser sein als Marktwirtschaft, wenn sie nichtmal das auf die Reihe kriegt.
      Dann wäre die Überlegenheit des Kommunismus ja letztlich doch noch bewiesen....:))

      Ahrens schrieb:

      Und wenn man das mit Weissrussland vergleicht ist der Freibetrag wie oben beschrieben schon gigantisch mit 60.000.- Euro im Vergleich zu Deutschland mit 17.000.- Euro. In der Ukraine, immerhin dem ärmsten Land Europas, ist er aber noch 3 Mal höher.

      Gilt aber alles nur für Selbständige. Der gewöhnliche Arbeiter wird mit der Flat Tax i.a. höher belastet, als in DE. Ein verheiratetes Paar zahlt bis zu einem versteuernden Einkommen von ca. 50000 Euro in UA mehr (!) Einkommenssteuern, als in DE.

      Ahrens schrieb:

      Was 5% Steuer? Also ich würd sagen dann ist das Wort "Unternehmen" nicht zutreffend.

      Die großen Unternehmen zahlen das in DE nicht. Wer schon mal eine GmbH in DE hatte, wird wissen, dass man sich die Gewinnvermeidung tunlichst auf die Fahnen schreibt. Da werden Geschäftsführergehälter bis zum Anschlag erhöht, Investitionen getätigt (lieber einen Oberklassenfahrzeug als Firmenwagen, als Steuern zahlen), Rückstellung für Pensionen (bis zum Anschlag) gebildet, Investitionsrückstellungen gebildet, die gesamte Familie (zumindest auf dem Papier) angestellt, usw. usf. Nicht wenige Kapitalgesellschaften schreiben daher eine schwarze Null.

      Gruß
      Siggi
      ..Nicht wenige Kapitalgesellschaften schreiben daher eine schwarze Null.


      Tja, und um so groesser das Unternehmen, um so weniger wird da drauf geschaut. Frei nach dem Motto: "Warum sollten wir denn dem ${Grossunternehmen} wegen Steuern auf den Kranz gehen, wenn seine tausende Angestellten doch das hundertfache von dem abdruecken, was wir von denen bekommen koennten?"