Mein erster Urlaub in der Ukraine

      siluan schrieb:

      Von Dortmund gings mit Wizzair nach Kiew und von dort mit dem Zug nach Kriwoi Rog. Von der Zugreise bin ich hellauf begeistert, viel komfortabler als mit unseren modernen ICE`s.


      Na dann mal Details bitte. Andere interessiert das auch. Gab es einen Speisewagen oder wenigstens eine Art Bar? Wie sah die Toilette aus? Mit welcher Geschwindigkeit fuhr der Zug? Wie ist die Geräuschkulisse, kann man schlafen?
      Dritte Klasse :
      Da gibt es alles:
      Bar mit Wodka und Juice,
      Diverse ukrainische Speisen.
      zwar nicht käuflich zu erwerben, aber bei gutem Benehmen und eigenen Angeboten zum Tauschen gratis vom Reisekollegen.
      Alles gratis, genauso wie die verschiedensten Schweiß Duftnoten im überhitzten Waggon.

      Aber siluan hat Recht :
      Lieber eine Reise im Nachtzug (aber dann zumindest zweite Klasse, um sich erholen zu können) bei 100 kmh in der Ukraine als im der Sitzstellung eines schnelleren ICE.
      Wer die ukrainische Mentalität besser kennen lernen will, kann auch die dritte Klasse buchen.

      Magnitka schrieb:



      Na dann mal Details bitte. Andere interessiert das auch. Gab es einen Speisewagen oder wenigstens eine Art Bar? Wie sah die Toilette aus? Mit welcher Geschwindigkeit fuhr der Zug? Wie ist die Geräuschkulisse, kann man schlafen?


      Ich weis wenig Details, ich bin das allererste mal gefahren. Ich weis nicht einmal welche Klasse das war. Das Abteil war für 4 Personen mit einer zu schließenden Tür. Ob es einen Speisewagen gab, weis ich nicht, hätte es auch garnicht gebraucht. Ich bin um 23... Uhr ab Kiew losgefahren. Toilette war alt, unabpetitliche Hinterlassenschaften waren weder zu richen noch zu sehen. Geschlafen habe ich einige Stunden, Geräuchkulisse war die eines rollenden Zuges. Was nicht so optimal war, in der Kabine war es unangenehm warm. Der Zug hatte fast 2 Stunden Verspätung, was mich aber überhaupt nicht gestört hat.
      Von Krivoi Rog nach Kherson bin ich ganz bewusst zum billigsten Preis gereist - ich wollte das unbedingt ausprobieren. 4 Stunden Fahrt für sage und schreibe 34 UHA. Dafür gab es offiziel aber kein Nackenkissen oder ähnliches. Dort bin ich mit einer Bauingeneurin in Gespräch gekommen. Ich hab die Frau später in Kherson getroffen.
      Die Rückfahrt von Kherson nach Kiew war interessanter. 4´er offene Kabine, war wohl 3. Klasse. Unterwegs 1/2 stündiger Aufenthalt auf der Strecke. Dort standen jede Menge Händler, die Obst, Gemüse etc. anboten. Ich hab mir einen großen Pot Himbeeren für 0,50 € gegönnt, ärgere mich aber noch immer dass ich all die leckeren Walnüsse hab liegen lassen :(( Ein älteres Ehepaar fuhr mit und zum Abendbrot wurde aufgetafelt und getrunken, genau so wie man es von Russen erwartet und sie haben mir auch was angeboten.:))
      Das alle Züge in der Ukraine billig sind stimmt aber 'so' nicht. Als Alleinreisender bekommt man vielleich noch zeitnah Tickets. Last Minute sind aber viele Routen oft ausverkauft. Wir haben letzten Donnerstag versucht für den Freitag Tickets für Kiew-Lviv zu bekommen. Zusammenhängende Plätze waren selbst in der ersten Klasse (1200+ UAH) nicht mehr drin. Hyundai ohnehin voll. Und im letzten Sommer war Lviv-Odessa über Wochen zu 100 Prozent ausgebucht. Selbst Einzelplätze nicht mehr verfügbar.
      @siluan
      4 er Kabine ist die zweite Klasse.
      Dritte Klasse ist komplett ohne Türen im Waggon.

      Zugtickets am besten immer vorher im Internet buchen.
      online Ticket am Handy genügt. Wenn man Zeit hat, kann man sich das Ticket in dem bahneigenen Format am Bahnhof ausdrucken lassen Online reservation and purchase tickets - Ukrzaliznytsia

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      Hollöchen,

      ich war im Mai 2017 mit dem Moped in Lviv und dann auf einer kleinen Rundreise durch die Karpaten.
      Bevor ich einen Roman verfasse, möchte ich euch stichpunktartig meine Endrücke mitteilen.
      Es gab niemals Situationen, in dennen ich mich unsicher fühlte.
      Weder in den Städten noch völlig allein irgendwo in den Bergen.
      Die Straßen waren teilweise recht anspruchsvoll, trotz GS.
      Meine Gabel wurde inzwischen etwas getunt :-), weil ich im kommenden Juni über Rumänien nach Odessa und weiter nach Kiev und Polen reise.
      Ich habe durchweg nette und hilfsbereite Menschen in der Ukraine getroffen.
      Auf dem Lande wurde ich beispielsweise spontan nach Hause eingeladen. In Dubove bekam ich von einem Restaurantbesitzer ich einen Vodka gratis. :)
      Die Natur war in den Bergen grandios. Unterkunft und Verpflegung sind für jeden Geldbeutel erschwinglich.
      Alles in allem eine tolle Reise. Und ja, auch ich wurde etwas vom Ukrainischen Virus infiziert.
      Wenn ich mehr Zeit hätte, würde ich gerne länger durchs Land fahren.
      Da ich Autobahnen vermeide und Kurven suche, gehen immer einige Tage für An- und Abreise drauf.
      Es waren viele junge Leute auf den Feldern zu sehn.
      In Lviv sprachen viele Englisch, auf dem Lande kaum.
      Ein paar Brocken Russisch + Hände und Füße haben aber immer für das Notwendigste gereicht.
      Optimal ist ein Local Guide, der einem vom Leben der Menschen erzählt. Und nicht nur eine Stadrundfahrt im Bus... Ich hatte in Mukatschewe richtig Glück. Eine Dozentin wohnte zufällig in meiner Unterkunft. Sie sprach perfekt Deutsch und erzählte mir bei einer Flasche Rotwein viel vom wirklichen Leben.
      Etwas, was ich nicht vergessen konnten war, dass sie viele Ihrer gut ausgebildeten Studenten im Supermarkt an der Kasse wiedertrifft. Es wenig Arbeit und sie nehmen auch Jobs weiter unter ihrem Abschluss an.
      Das ist sehr schade und auch traurig. Hoffentlich ändert sich die Situation in den kommenden Jahren...
      Armut habe ich nicht gesehen. Dafür stolze Menschen, die gut drauf waren und das Beste aus Ihrer Situation machen.

      Ich freue mich schon sehr auf den kommen Juni.

      Gruß

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      loskop schrieb:

      Hollöchen,
      Etwas, was ich nicht vergessen konnten war, dass sie viele Ihrer gut ausgebildeten Studenten im Supermarkt an der Kasse wiedertrifft. Es wenig Arbeit und sie nehmen auch Jobs weiter unter ihrem Abschluss an.


      Gut ausgebildete Studenten findet man eigentlich nicht an der Kasse im Supermarkt. Dieser Job ist auch für Ukrainer eine sehr "niedrige" Tätigkeit. Oftmals gibt es sogar Behinderte die solch einen Job als "letzte Chance" ausüben.