Ein Fundstück:
Bogdan Morkisz, ein polnischer Schachspieler, Journalist sowie politischer und sozialer Aktivist, der mir bisher vollkommen unbekannt war, hat einen interessanten Gedanken formuliert.
"Langsam beginnt die brutale Wahrheit durchzudringen: Es geht nicht darum, dass die Ukraine uns vor Russland schützen soll. Immer deutlicher wird erkennbar, dass Russland – ein Paradoxon der Geschichte, eine Ironie der Geopolitik – anfängt, uns vor der Ukraine zu schützen.
Dieser Satz ist keine Provokation, sondern eine Diagnose der Stimmung, die in der Luft liegt. Über Jahre hinweg wurde uns die Märchenstunde von einer „strategischen Partnerschaft“, von „brüderlicher Zusammenarbeit“, von einer „gemeinsamen Front gegen Moskau“ vorgesetzt. Und in der Zwischenzeit sieht die Rechnung der Realität anders aus: Es sind nicht russische Panzer, die polnische Grenzen überrollen, sondern ukrainische Lastwagen, die den polnischen Markt überrollen. Es ist nicht Russland, das unsere Landwirtschaft zerstört, sondern ukrainisches Getreide. Es ist nicht Russland, das Konflikte an den Grenzübergängen auslöst, sondern ukrainische Forderungen, Vorwürfe und das wachsende Gefühl, dass „Polen muss“.
Langsam sickert es durch, dass dieser ganze Mythos von der „ukrainischen Tarcza (Schild)“ nur eine bequeme Erzählung für Politiker war, die ihre eigene Unfähigkeit zudecken wollten. Denn es war einfacher, von einer „Bedrohung aus dem Osten“ zu sprechen, als zuzugeben, dass der größte Schaden aus der Richtung kam, die unser Verbündeter sein sollte. Es war einfacher, vor Russland Angst zu machen, als zuzugeben, dass es die ukrainische Wirtschaftspolitik, die ukrainische Lobby und ukrainische Interessen waren, die ohne anzuklopfen in unser Haus einzudringen begannen.
Und plötzlich stellt sich heraus, dass diese ganze Geschichte von der „Verteidigung vor Russland“ wie ein altes, abgenutztes Plakat ist – es hängt noch, weil es noch niemand abgenommen hat, aber niemand glaubt mehr an seinen Inhalt. Denn heute ist es realer, dass Russland – selbstverständlich eine Bedrohung an sich – gleichzeitig zum einzigen Faktor wird, der ukrainische Ambitionen gegenüber Polen bremst. Ohne den russischen Druck wären die ukrainischen Ansprüche noch größer, noch lauter, noch dreister.
Das ist der Moment, in dem man auf die Karte schaut und denkt: „Wie ist es möglich, dass die Welt sich so verdreht hat, dass wir anfangen, uns nicht mehr vor dem zu fürchten, vor dem man uns Angst einjagen wollte?“
Und genau das beginnt anzukommen. Langsam, aber unaufhaltsam."
Das ist natürlich eine ausgesprochen polnische Sicht, es scheint mir auch eine sehr konservative Perspektive, umso mehr ist sie bemerkenswert, dass auch bei den bisherigen "Standartenträgern" die Stimmung bröckelt. Ich teile seine Meinung nur sehr bedingt, fand die Sichtweise aber interessant. Wenn alles den Bach runter ist, könnte der Kriegskater bei den hiesigen Parteien ähnlich ausfallen: Die Ukraine ist schuld, nur Mutti nicht.