Heirat in UA mit Ehevertrag

      Heirat in UA mit Ehevertrag

      Hallo Forumsgemeinde,
      nach langem Überlegen habe ich mich jetzt endlich entschlossen meine Freundin zu heiraten. Der Grund für mein Zögern war in erster Linie ihre Tochter. Die Kleine (10 J.) ist lieb und nett, aber schon in der ukrainischen Schule nicht gerade eine Überfliegerin. Deshalb habe ich schon gewisse Bauchschmerzen, ob es in Deutschland mit ihr funktioniert. Aber wir versuchen es jetzt halt einmal.
      Die Hochzeit wird in UA sein, den A1-Test macht meine Freundin im Dezember. Danach dann FZF, da bei der aktuellen Lage ein Zusammenleben in UA keine echte Option darstellt. Meine Freundin hat das alleinige Sorgerecht für die Kleine, sollte also relativ unproblematisch sein.
      Doch jetzt habe ich noch ein paar Fragen.

      Wenn ich es richtig verstanden habe, leitet sich das Aufenthaltsrecht der Kleinen nur daraus ab, dass sie das Kind der Ehefrau eines deutschen Staatsbürgers ist. Was passiert dann aber, wenn die Kleine 18 wird? Dann ist sie ja per Definition kein Kind mehr. Muss sie dann zurück in die UA? Eine Adoption der Kleinen kommt für mich nicht in Frage.

      Wir wollen einen Ehevertrag machen. Dieser soll enthalten Gütertrennung (meine Freundin hat eine ETW in UA), Rechtswahl zur Ehe nach ukrainischem Recht (wg. einfacherer Scheidung, kein Trennungsjahr, kein Versorgungsausgleich), wechselseitiger Unterhaltsverzicht. Als Kompensation für den Versorgungsausgleich würde ich während der Ehe einen monatlichen Betrag in einem Aktienfonds o.ä. anlegen, für den Unterhaltsverzicht würde ich für sechs Monate zur Erleichterung der Rückkehr in die UA ihr bisheriges Gehalt bezahlen. Der Vertrag soll zweisprachig (dtsch. / russ.) bei einem Notar in der UA gemacht werden.
      Hat hier jemand Erfahrungen mit einem ähnlichen Vertrag? Hat dieser im Ernstfall gehalten? Ich wollte mich in der Sache an das Forumsmitglied Ahrens wenden, hat hier jemand Erfahrungen mit einem von dieser Kanzlei erstellten Vertrag?

      Wie lange haben eure Frauen und deren Kinder für die Integration in D gebraucht? Ich gehe momentan von einem Jahr aus, in dem meine Freundin intensiv Deutsch lernt, die Führerscheinprüfung macht usw. Danach können wir dann für sie auf die Jobsuche gehen.

      Im Voraus schon mal vielen Dank für Eure Antworten.
      LG
      HVL
      Also, die Fragen die Du hast kann nach meiner Kenntnis Dir nicht einmal ein Ehevertrag eine Sicherheit geben. Meines Wissens kannst Du Dich bei einem Kind nicht so einfach aus der Verantwortung stehlen wenn es nicht funktioniert.
      Liegt die Zustimmung vom Vater des Kindes vor, dass das Kind nach D umzieht?

      Willst du das Kind adoptieren?
      Also mit der Schule würde ich mir keine großen Sorgen machen. Das Niveau ist manchen brd-Ländern inzwischen so niedrig, dass sie sich vielleicht sogar notenmäßig verbessert gegenüber UA. So war es zumindest bei der ebenfalls 10-jährigen Nichte meiner Frau, die in diesem Jahr nach dem Tod ihrer ukrainischen Mutter zu ihrem türkischen Vater in die brd gekommen ist, ziemlich gegen Ende des 4. Schuljahres. Obwohl sie kein Wort deutsch spricht waren ihre Lernleistungen so gut, dass die Lehrer überzeugt waren sie könnte die 5. Klasse überspringen und nach den Ferien direkt in die 6. Klasse versetzt werden. Die Ersatzmutter hat aber durchgesetzt, dass die Kleine doch nur altersgemäß in die 5.Klasse versetzt wurde.
      Danke für eure Antworten.
      @'rolsch
      Adoption kommt nicht in Frage, ich habe schon zwei Kinder aus meiner ersten Ehe. Unterhaltsverpflichtung gegenüber dem Kind kann damit meines Wissens bei einer Scheidung nicht entstehen. Meine Freundin hat das alleinige Sorgerecht, damit braucht man meines Wissens keine Zustimmung des Vaters.

      @'Opelfan'
      Das mit dem gesunkenen Niveau der deutschen Schulen kenne ich auch (zur Zeit führe ich mal wieder Vorstellungsgespräche mit Azubi-Bewerbern in unserem Betrieb), sollte aber nach meiner Vorstellung kein Maßstab sein. Die Kleine soll ja nicht die Einäugige unter Blinden sein, sondern eine vernünftige Schul- und später Berufsausbildung bekommen.

      HVL64 schrieb:

      Meine Freundin hat das alleinige Sorgerecht, damit braucht man meines Wissens keine Zustimmung des Vaters.


      Hmmm, vieleicht besser wenn das schriftlich vor dem Ja-Wort vorliegt :))). Ich würde Ahrens hinzuziehen!! Unterschiedliches Zivilrecht ... Ort der Willenserklärung, Sorgerecht, Familienzusammenführung usw.... gegebenfalls 2-jährige Wartefrist bis Behörde nicht dagegen schießen kann. Da wird mindestens ein Beratungshonorar fällig.
      Du kannst den Vertrag in DE bei einem deutschen Notar machen. Auch noch lange nach der Hochzeit. (Wir haben es 9 Jahre später gemacht).
      Das gibt Dir im deutschen Rechtskreis mehr Rechtssicherheit als ein UA Ehevertrag. Die Beratung gibt es beim Notar gratis dazu, d.h. ist in der Beurkundungsgebühr enthalten.

      Gruß
      Siggi
      Für das Kind hat er keine finanzielle Verantwortung solange er es nicht adoptiert.

      Mit dem Ehevertrag sollte man nicht 9 Jahre warten. (Es muss nicht jeder so dumm wie ich sein.) Aber 9 Wochen halte ich für unproblematisch. Wenn sie wieder erwarten dann schon nicht mehr unterschreiben sollte, obwohl im Vorfeld über den Inhalt der Vereinbarung grundsätzlicher Konsens bestand, muss er sich eben scheiden lassen. Nach ein paar Wochen Ehe halten sich die Folgen in engen Grenzen - auch ohne Ehevertrag.

      Gruß
      Siggi
      Noch mal danke für die bisherigen Antworten.
      Das mit dem Kind und der FZF ist unproblematisch, ohne ins Detail zu gehen, es gibt keinen Vater.
      Mir ging es beim Kind ja mehr um die Frage, ob die Kleine an ihrem 18. Geburtstag (weil dann erwachsen und nicht mehr das Kind der Frau eines Deutschen) dann die Aufenthaltserlaubnis verliert.
      Und dann würde mich interessieren, ob hier jemand Erfahrung mit einem Ehevertrag mit Rechtswahl (ukrainisches Recht) hat und ob der Vertrag im Worst-Case gehalten hat.

      HVL64 schrieb:

      Noch mal danke für die bisherigen Antworten.
      Das mit dem Kind und der FZF ist unproblematisch, ohne ins Detail zu gehen, es gibt keinen Vater.
      Mir ging es beim Kind ja mehr um die Frage, ob die Kleine an ihrem 18. Geburtstag (weil dann erwachsen und nicht mehr das Kind der Frau eines Deutschen) dann die Aufenthaltserlaubnis verliert.


      Also,um das mal für mich zu eruieren: Um das Kind geht es dir nicht wirklich - das ist mehr so der Klotz am Bein?
      Вежливый мужчина спросит: 'можно я приеду?', 'можно я встречу?', 'тебе помочь?'. Хороший мужчина скажет: 'я приеду', 'я встречу', 'я помогу'. Настоящий мужчина: приедет, встретит, поможет!

      HVL64 schrieb:


      Mir ging es beim Kind ja mehr um die Frage, ob die Kleine an ihrem 18. Geburtstag (weil dann erwachsen und nicht mehr das Kind der Frau eines Deutschen) dann die Aufenthaltserlaubnis verliert.

      Die Kleine ist jetzt 10 Jahre.
      Wenn sie 18 ist, dann ist sie 8 Jahre hier. Dann wird wohl einen permanenten Aufenthalt bekommen.

      rolsch schrieb:

      Also ich würde die Kleine adoptieren, dann heiratest Du und dann hast Du eine Familie. Frag doch mal die Kleine, ob sie dich als Papa will?

      Sehr wahrscheinlich, dass sie und auch die Mutter sich das von dir sehr wünschen würden


      Ich würde die Kleine nicht adoptieren:
      1. Man nimmt ihr de facto ihren Vater weg. Das schafft auf Seiten des Kindes und des Vaters schlechte Emotionen.
      2. Warum soll man? In weniger als 8 Jahren ist das Kind volljährig, dann hat es sowieso keine Auswirkungen mehr, außer:
        1. ​Bei einer Scheidung wird man auf alle Fälle unterhaltspflichtig für das Kind. Das studiert dann wahrscheinlich noch bis 25 oder länger.
        2. Das Kind ist dann auch erbberechtigt. Wenn man ihr etwas zukommen lassen will, dann kann man das auch anders lösen, z.B. über Lebensversicherungen mit Bezugsrecht des Kindes.
      ​Alles in allem sehe ich keine Vorteile.
      Und der Threadersteller will ja einen Ehevertrag machen, um nach einer ev. Scheidung auch ein anständiges Leben ohne Klotz am Bein führen zu können.
      Da wäre die Adoption kontroproduktiv.