Wenn einer eine Reise tut...

      Wenn einer eine Reise tut...

      Hallo Zusammen,

      wie so mancher bereits mitbekommen hat, habe ich Ostern in der Ukraine verbracht. Am 16. setzte ich mich in meinen S8 und begab mich auf den Weg nach Lviv. Von dort ging es weiter nach Kiew. Am 22. begann dann meine Rückfahrt. Mein Ziel in diesem Post ist es, dem geneigten Leser einige Informationen an die Hand zu geben, so dass er vielleicht einige Informationen für die eigene Fahrt nutzen kann.

      Da Audi für mein integriertes Navi kein Kartenmaterial von der Ukraine liefern konnte oder wollte, habe ich mich entschieden, ein neues GPS-Navigationssystem zu kaufen. Garmin bot in einer Aktion das Nüvü 66 LMT für 199SFr. statt der normale 299CHF. an. Da sagte ich nicht nein. Zumal in diesem auch die Ukraine abgedeckt ist und es lebenslang kostenfreie Updates gibt. Ich lud dann zunächst die aktuellen Karten herunter. Alles in allem ca. 5GB an Daten.

      Am 16.04. hatte ich zunächst noch einen normalen vollen Arbeitstag. Am Nachmittag bekam ich wider meinem Plan noch ein 4h-Meeting reingeschoben, so dass ich statt um 14:00 erst um 17:30 starten konnte. Manchmal ist der Job doch recht anstrengend. So zumindest dieses Meeting. 4 Stunden wegen eines Dokumentes. Jedes einzelne Wort wurde analysiert. Alles in Englisch.

      Ich fuhr von meinem Wohnort Grenchen im Kanton Solothurn zuerst nach Basel und dort über die Grenze nach Deutschland. Dort führte mich mein Weg über die A5 ans Walldorfer Kreuz. Ich wechselte auf die A6 nach Heilbronn und weiter nach Nürnberg. Dort wechselte ich auf die A9 Richtung Berlin. Nach Hof wechselte ich zuerst auf die A72 und schließlich auf die A4. Ich nächtigte auf einem Parkplatz im Auto, so dass ich morgens die Grenze zu Polen überquerte. Ich wollte Polen unbedingt tagsüber durchqueren und am Nachmittag die Grenze zur Ukraine passieren. Dadurch, so mein Plan, würde ich vor Sonnenuntergang das Hotel erreichen.

      Ich war über die Fahrbahnqualität in Polen sehr überrascht. Sie war auf der polnischen A4/E40 weitaus besser, als es in Deutschland der Fall war. Ebenso war es erschreckend zu sehen, wie gering die Qualität der deutschen Toiletten ist. Schmutzig, stinkend,… Ganz anders in Polen. Die polnische A4 ist teilweise privatisiert. So hatte ich dreimal eine Maut zu entrichten. Die erste vor Katowice kostete mich 16,20 PLN (Polnische Zloty). Die beiden nachfolgenden jeweils 9 PLN. Man sollte hier generell besser Bargeld haben.

      Um ca. 14:30 kam ich dann am Grenzposten Krakovetz an. Es dauerte ca. 3 Stunden, bis ich in die Ukraine einreisen durfte. Jedoch stand ich zugegebener Massen in der falschen Schlange. Statt EU Members nutzte ich die „Nothing to declare“ Bahn. War das Prozedere in Polen noch einfach, gestaltete es sich auf der ukrainischen Seite doch komplizierter. Ich bekam einen Zettel, der am Schluss drei Stempel haben musste. Mit diesem kann man dann den letzten Posten verlassen und die Ukraine betreten.

      Nun ging es weiter nach Lviv. Ich hatte bereits im Vorhinein in einem Hotel (rafael.com.ua) ein Zimmer reserviert. Das Hotel zeigte sich als recht angenehm. So blieben meine inzwischen zu mir gestoßene Holde und ich einen weiteren Tag und besichtigten die Stadt. Ich wollte für zuhause eine schöne Matrjoschka haben. Wir fanden einen kleinen Souvenirladen, der auch diese Figuren anbot. Es gab zwei verschiedene Versionen. Die klassische russische und die unbekanntere ukrainische. Als sehr empfehlenswert empfinde ich eine „kleine“ Tour durch L’viv. Am zentralen Platz kann man eine guided Tour in einem „Zug“ nehmen. Die Gesprochenen Informationen kann man mittels bereitgestellter kleiner Kopfhörer auch in deutscher Sprache hören.

      Am nächsten Morgen fuhren wir dann nach dem Frühstück gemeinsam nach Kiew. Die Fahrt weckte unterschiedliche Gefühle. Die ersten Kilometer waren von Schlaglöchern geprägt. Teilweise bis zu 30cm tief. Als wir dann auf die M06 kamen, änderte sich das Bild gänzlich. Es handelte sich um eine sehr gut ausgebaute Straße. Teilweise zwei-, teilweise aber auch vierspurig. Dass wir derartige Straßen nahmen, lag wohl an dem mangelhaften Kartenmaterial des Navigationssystems.

      In Kiew parkte ich meinen Wagen in der Nähe auf einem Parkplatz, der bewacht war. Dies schien sich als sehr gut zu erweisen. Ich fand meinen Wagen am Tag der Rückreise unversehrt vor. Meine Holde meinte, es wäre auch möglich, dass man den S8 als Wagen eines wichtigen Schweizer Mafiosi identifiziert hätte. Wer weiß.

      Ich hielt mich mehrere Tage in Kiew auf. Generell merkte man hier viel stärker die Angespanntheit in Bezug auf die politische Lage. Die Einwohner waren ruhiger und getriebener als bei meinen letzten Besuchen. Wir besuchten verschiedene Restaurants. Auch hier waren erkennbar weniger Gäste unterwegs.

      Heimwärts startete ich bereits um 09:00 in Kiew. Ich war für die Fahrt wieder auf der falschen Dnipro-Seite, so dass ich zuerst den typischen Kiewer Stadtverkehr genoss. Nach zwei Stunden hatte ich die Stadtgrenzen hinter mir gelassen und steuerte auf die Grenze zu. Ich fuhr wieder auf der M06 ´gen Westen. Bis Lviv gestaltete sich die Fahrt an sich als recht langweilig und förderte, dass ich mich an der Umgebung erfreute. In Lviv galt es dann, von der M06 auf die M10 zu kommen. Ein, in Anbetracht der Lviv’er Straßenbeschaffenheit, recht abenteuerliches Unterfangen.

      An der Grenze ging es auf der ukrainischen Seite recht schnell vorwärts. Allerdings hatte ich noch in der Ukraine eine Stange Zigaretten gekauft und bereits begonnen, das erste Päckchen zu konsumieren. Wie sich jetzt herausstellte, war dies ein Fehler. Von der Schweiz kommend, kann ich mit einer Stange Zigaretten nach Deutschland einreisen. Jedoch nicht von der Ukraine nach Polen. Ich hatte die restliche Stange achtlos auf den Rücksitz geworfen. Und dort lag sie noch bei Querung der Grenze. Ein gefundenes Fressen für einen Zöllner.

      Im Endergebnis wurde ich weitere 394PLN und die beschlagnahmten 8 Päckchen Zigaretten los. Inklusiver der Suche nach einem Bankomaten und dem Papierkrieg dauerte die Querung der Grenze ca. 4 Stunden.

      Die ersten Kilometer nach der Grenze sind geprägt von Umleitungen, da das Ende der polnischen A4 noch nicht fertig gestellt ist. Die Straßenverhältnisse gleichen hier denen von Lviv. Sie sind geprägt von Schlaglöchern verschiedenster Tiefen. Als ich nicht mehr von der Autobahn geroutet wurde, nahm ich eine Mütze Schlaf. Am nächsten Tag galt es ja, ca. 1300km zu absolvieren.

      Alles in allem würde und werde ich die Fahrt wiederholen. Auch wenn es teilweise ein richtiges Abenteuer war.